Unter großer Beteiligung der Vereine wurde in Hohenau der Volkstrauertag begangen. Im Gottesdienst wurde an die Opfer der beiden Weltkriege, aber auch der Todesopfer, die heute der Einsatz für Frieden fordert, gedacht. Von Deutschland aus, so Pfarrer David Savarimuthu, ging nicht nur Krieg, von Deutschland aus gingen viele Frauen und Männer, die nach 1945 ihr Leben ließen im Dienste des Friedens. Daran dürften wir uns heute dankbar erinnern, 107 Jahre nach Ende des 1. Weltkriegs und 80 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs.
Der 1. Bürgermeister Josef Gais erinnerte daran, dass vor 80 Jahren nach Ende des 2. Weltkriegs die deutschen Städte in Schutt und Asche lagen und viele Männer kehrten nie aus dem Krieg zurück. Ihrer gilt unser Gedenken. Wir wollen uns aber auch bewusst vor Augen halten, so Josef Gais, wie wertvoll die Demokratie sei, die derzeit leider von immer mehr Menschen in Frage gestellt werde. Unser Land habe das bis heute größte Unglück für die Menschheit verursacht, bei dem rund 3,5 Prozent aller vor uns lebenden Menschen auf der Welt gestorben sind. Aus den Trümmern aber konnte wieder Gutes wachsen. Es entstand ein freies und demokratisches Deutschland, eingebettet in die Europäische Union. Nach 1945 erhielten wir das Geschenk des Friedens, aus dem sich ein Land mit Wohlstand und Freiheit entwickelte.
Heute jedoch befinde sich die Welt im Wandel und wir haben die Sorge, dass es schlechter werde als vorher. Seit einigen Jahren erleben wir eine Zeit vermehrter Unsicherheit. Die Aggression des Diktators Putin stelle uns vor nie dagewesene Herausforderungen. Die Nachrichten aus dem Nahen Osten seien weiterhin bedrückend und das Verhältnis zu den USA, unserem Verbündeten, der Deutschland nach 1945 so sehr unterstützt habe, erleben wir Spannungen, die wir uns vor einiger Zeit noch nicht vorstellen konnten. Wie ein Unkraut, dass sich immer weiterverbreitet, pflanze sich diese Unsicherheit auch in unserer Gesellschaft fort. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme frustrieren uns. Alles ist kompliziert geworden, sodass wir viele Zusammenhänge nicht mehr verstehen. Es gebe Konflikte außerhalb unseres Landes, die wir vor allem durch die Medien wahrnehmen. Aber auch im inneren streite man sich heftiger als früher. Wenn aber jeder nurmehr auf sich und seine Interessen schaue, dann gewinnen die Feinde der Demokratie.
Wir alle brauchen einander und wir brauchen das Miteinander. Freiheit funktioniere nicht durch Rücksichtslosigkeit, sondern durch Verantwortung füreinander. Gutes zu tun, ohne dafür einen Lohn zu erwarten, dass halte unsere Gesellschaft zusammen. Dieser Gemeinsinn werde gerade bei uns in der Gemeinde noch intensiv gelebt. Daraus erwachse auch eine Kraft, die wir heute genauso dringend brauchen, wie damals, als es galt, unser Land nach dem Krieg wieder aufzubauen. Heute müssen wir uns mit vereinten Kräften gegen diejenigen stemmen, die uns täuschen wollen. Diejenigen, die uns einfache Lösungen versprechen. Diejenigen, die meinen, Deutschland wäre ohne Ausländer und ohne Europäische Union besser dran. Und vor allem sei es gefährlich, denen politische Verantwortung zu geben, die die Grundfeste unserer Demokratie zerstören wollen. Man könne den Volkstrauertag 2025 nicht unpolitisch begehen. Die Lage sei zu kritisch, um all das auszublenden. Und wenn wir schon nicht am großen Verhandlungstisch sitzen können, so können wir doch vor Ort in unserem unmittelbaren Umfeld zu einem friedlichen Miteinander beitragen. Wir können weiter dankbar dafür sein, dass wir hier, in dieser gesegneten, wunderschönen Landschaft in Freiheit und Wohlstand leben dürfen.
Nach dem Gottesdienst folgte die Ehrung der Toten am Kriegerdenkmal am Dorfplatz von Hohenau. Für die musikalische Umrahmung des Volkstrauertages sorgte die Blaskapelle Hohenau-Ringelai.
